Das Ministerium

Unsere Themen

Landesbeauftragte

Service

12.04.2018Fachaustausch zur Stärkung der Teilhabe in der psychiatrischen Versorgung | 052/2018

In Brandenburg wurden im Jahr 2016 rund 40.200 Menschen wegen psychischer Erkrankungen in psychiatrischen Krankenhäusern behandelt. Nur die Wenigsten werden zwangsweise, das heißt per Gerichtsbeschluss, in einer Psychiatrie untergebracht: Von allen Behandlungsfällen in psychiatrischen Kliniken sind es knapp zwei Prozent. Im Ländervergleich ist diese Zahl niedrig. Die Rechte und Teilhabe von Patientinnen und Patienten in der psychiatrischen Versorgung wurden heute bei einem Fachaustausch im Gesundheitsministerium in Potsdam diskutiert. Das Brandenburgische Psychisch-Kranken-Gesetz, mit dem die Hilfen und die zwangsweise Unterbringung von Menschen in psychischen Krisen geregelt werden, soll noch in dieser Legislaturperiode überarbeitet werden.

Gesundheitsministerin Diana Golze sagte zur Eröffnung: „Menschen mit psychischen Erkrankungen haben es schwerer, ihre eigenen Interessen und Wünsche wirksam zu vertreten. Auch ihre Stellung in der Gesellschaft ist nicht leicht, sie sind mit vielen Vorurteilen konfrontiert. Zwangsmaßnahmen sind bei bestehender Gefahr von Leben und Gesundheit notwendig. Sie müssen aber immer kritisch hinterfragt werden. Für die Versorgung und Unterstützung von psychisch kranken Menschen gibt es in Brandenburg gute Angebote und Strukturen. Dazu gehören auch Selbsthilfegruppen. Psychiatrie-Erfahrene und Angehörige haben wertvolle Erfahrungen im Umgang mit psychischen Erkrankungen, mit denen sie andere Betroffene unterstützen können. Die verschiedenen Angebote wollen wir stärker miteinander vernetzen. Dafür dient auch dieser Fachaustausch.“

Im Auftrag des Gesundheitsministeriums setzt Gesundheit Berlin-Brandenburg e.V. seit 2015 das Projekt „Stärkung der Patientenrechte in der psychiatrischen Versorgung in Brandenburg“ um. Zentrales Ziel ist es, dass Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung und Angehörige an der Gestaltung der Strukturen der psychiatrischen Versorgung im Land Brandenburg noch stärker beteiligt werden. Dazu gehört zum Beispiel die Arbeit der ehrenamtlichen „Besuchskommissionen“, die in Brandenburg bereits seit 1998 die Rechte der Patientinnen und Patienten sowie die Qualität der Versorgung in stationären psychiatrischen Einrichtungen überprüft. Eine weitere Aufgabe des Projektes ist es, den fachlichen Austausch und die Vernetzung der Fachkräfte insbesondere auf der kommunalen Ebene zu fördern.

Golze sagte: „Jede Patientin und jeder Patient hat das Recht auf Information und Selbstbestimmung. Das bedeutet, dass medizinische Maßnahmen nur mit der persönlichen Einwilligung erfolgen dürfen. Das ist gerade bei Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen eine besondere Herausforderung. Die Besuchskommissionen leisten hier eine unverzichtbare Arbeit. Neben den Patientenrechten ist aber auch die Teilhabe psychisch kranker Menschen wichtig. Ihre Stellung in der Gesellschaft ist schwierig. Oft fehlt das Verständnis für ihre Probleme. Unser Ziel ist es, dass Menschen mit psychischen Störungen möglichst wohnortnah versorgt werden, um ihnen ein weitgehend eigenständiges und sozial integriertes Leben im vertrauten Umfeld zu ermöglichen.“

Laut den aktuellen Zahlen gab es im Jahr 2016 in Brandenburger Kliniken insgesamt rund 680.130 Behandlungsfälle. Darunter waren rund 40.200 Behandlungsfälle in psychiatrischen Kliniken. Das heißt, dass bei sechs Prozent aller stationären Behandlungsfälle bei den Patientinnen und Patienten psychiatrische Diagnosen gestellt waren.

Jährlich gibt es etwa 500 bis 800 Fälle von zwangsweisen Unterbringungen von Menschen nach dem Brandenburgischen Psychisch-Kranken-Gesetz. Setzt man die Zahl der Behandlungsfälle in der Psychiatrie mit der Zahl der zwangsweisen Unterbringungen ins Verhältnis, dann sind in knapp zwei Prozent aller Fälle Menschen in der Psychiatrie zwangsweise untergebracht.

Im Land Brandenburg gibt es 18 Kliniken für die Fachgebiete Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik und sechs Kinder- und Jugendpsychiatrien.

Die klinische psychiatrische Versorgung im Land Brandenburg ist in fünf Versorgungsgebieten aufgeteilt: Cottbus, Frankfurt (Oder), Neuruppin, Potsdam und Schwedt. Für jedes der fünf Gebiete gibt es eine Besuchskommission. Zusätzlich gibt es für den Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie eine eigene Besuchskommission.

Weitere Informationen im Internet:
http://www.gesundheitbb.de/Staerkung-der-Patientenrechte.1837.0.html

Download der Pressemitteilung als PDF-Datei

Auswahl

Jahr
Rubrik


Kontakt

Marina Ringel
Pressesprecherin

Telefon: 0331 866-5040
Telefax: 0331 866-5049
Mobil: 0170 453 86 88
E-Mail:
marina.ringel@masgf.brandenburg.de