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10.11.2017„Starke Familien - Starke Kinder“, Runder Tisch gegen Kinderarmut - Von der Bildung zur Gesundheit: Brandenburger Initiative entwickelt weitere Vorhaben zur Armutsbekämpfung | 166/2017

Kinderarmut beschränkt sich nicht allein auf materielle Armut. Um den unterschiedlichen Facetten der Problematik gerecht zu werden, setzt die Brandenburger Initiative „Starke Familien – Starke Kinder“ – Runder Tisch gegen Kinderarmut jedes Jahr einen Schwerpunkt auf unterschiedliche Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen. Von der Bildung zur Gesundheit: Auf der Jahresveranstaltung 2017 wurden heute in Potsdam die Aktivitäten zum diesjährigen Themenschwerpunkt „Soziale Lage und Bildung“ ausgewertet und Vorhaben für das Themenjahr 2018 „Gesundheit“ entwickelt. Zum Auftakt sagte Sozialstaatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt: „Brandenburg hat das Thema Bekämpfung von Kinderarmut ganz oben auf die politische Tagesordnung gesetzt, um es aus der Tabuzone heraus zu holen. Der Runde Tisch gegen Kinderarmut gibt spürbare Impulse für Akteurinnen und Akteure in Land, Kommunen und Zivilgesellschaft, Familien zu stärken. Eine der großen Aufgaben ist es jetzt, sich vor allem um die Situation Alleinerziehender zu kümmern.“ In Brandenburg sind 21 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren armutsgefährdet.

Die Initiative „Starke Familien – Starke Kinder“ – Runder Tisch gegen Kinderarmut hat Sozialministerin Diana Golze im Herbst 2015 ins Leben gerufen. Daran beteiligen sich landesweit viele verschiedene gesellschaftliche Akteurinnen und Akteure sowie Institutionen. Zu der heutigen Jahrestagung kamen etwa 100 Teilnehmende, darunter Bildungsstaatssekretär Dr. Thomas Drescher und Mike Schubert, Beigeordneter für Soziales, Jugend, Gesundheit und Ordnung der Stadt Potsdam. Fachliche Impulse gaben Prof. Dr. Michael Klundt, Professor für Kinderpolitik im Studiengang Angewandte Kindheitswissenschaften der Hochschule Magdeburg-Stendal, und Dr. Dietrich Engels, Geschäftsführer der ISG Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik GmbH.

Sozialstaatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt: „Kinder haben fast keine Möglichkeiten, sich selbst gegen Armut zu schützen. Es liegt in der Verantwortung der ganzen Gesellschaft, dass alle Kinder – unabhängig von der Einkommenssituation ihrer Eltern – die gleichen Chancen auf Teilhabe und gesundes Aufwachsen haben. Unsere Initiative ‚Starke Familien – Starke Kinder‘ gibt wichtige Impulse. Landesweit werden viele verschiedene Projekte gegen Kinderarmut vor Ort durchgeführt. Daran werden wir im kommenden Jahr anknüpfen.“

Mit Blick auf das Themenjahr 2018 erklärte Hartwig-Tiedt: „Wir wissen, dass Armut auch auf die Gesundheit von Kindern erhebliche negative Auswirkungen hat. Das zeigen zum Beispiel die Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen. So weisen insgesamt mehr als ein Fünftel aller eingeschulten Kinder im Land Brandenburg eine Sprach- oder Sprechstörung auf. Betrachtet man aber nur Kinder aus Familien mit niedrigem Sozialstatus, liegt dieser Anteil bei 44 Prozent. Zuzahlungen und Eigenleistungen im Gesundheitssystem führen dazu, dass von Einkommensarmut betroffene Menschen deutlich seltener zum Arzt gehen oder notwendige Medikamente nicht besorgen können. Das trifft dann auch die Kinder und Jugendlichen. Deshalb werden wir uns im Rahmen unserer Initiative im nächsten Jahr besonders intensiv mit den Auswirkungen von Armut auf die Gesundheit auseinandersetzen. Jedes Kind muss die Chance auf ein gesundes Aufwachsen bekommen. Hier können wir auf die Arbeit unseres Bündnisses ‚Gesund aufwachsen‘, dass 2004 gegründet wurde, aufbauen.“

Zum Abschluss des Themenjahres „Bildung“ sagte Bildungsstaatssekretär Dr. Thomas Drescher: „Kinder aus armen Familien haben Anspruch auf besondere Förderung und Fürsorge bei Erziehung, Bildung und Ausbildung. Im Bereich der frühkindlichen Bildung in der Kita zum Beispiel haben wir viele Möglichkeiten der Bekämpfung von Armut, so das Landesprogramm zur kompensatorischen Sprachförderung, das Bundesprogramm „Sprach-Kitas“ und nicht zuletzt das neue Konzept der „Kiez-Kitas“: Hier sollen zusätzliche pädagogischen Fachkräfte besondere Angebote zur Stärkung der sozialen Kompetenzen in den Kita-Gruppen entwickeln und zugleich als Kiez-Lotsen vor Ort auch die Eltern und das Wohnumfeld der Einrichtungen im Blick haben. In der Schule werden wir unser Augenmerk auf den weiteren Ausbau der Ganztagsschulen und unser neues Konzept des Gemeinsamen Lernens richten. Zudem wollen wir die Lehrkräfte für das Thema Armut noch stärker sensibilisieren und ermuntern, Armut und Chancengerechtigkeit auch in den Fokus des Unterrichts zu nehmen.“

Auf der Jahresveranstaltung wurde die neue Broschüre des Sozialministeriums sozial spezial – Daten und Fakten zur sozialen Lage von Kindern im Land Brandenburg“ vorgestellt. Sie wurde von der ISG Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik GmbH erarbeitet und im Rahmen der Sozialberichterstattung des Landes Brandenburg veröffentlicht. Die Broschüre kann kostenfrei auf der Internetseite www.masgf.brandenburg.de bestellt werden.

Die Broschüre enthält u.a. Daten zur Armutsrisikoquote, ein Indikator zur Darstellung der relativen Armut, die die Ungleichheit in der Einkommensverteilung misst. Die Armutsrisikoquote gibt den Anteil der Personen an, deren Haushaltsnettoeinkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung (Median) beträgt. In Brandenburg lag die Armutsrisikoquote gemessen am Bundesmedian im Jahr 2016 bei 15,7 Prozent und damit im bundesweiten Durchschnitt. In Ostdeutschland lag sie durchschnittlich höher bei 18,4 Prozent. Werden nur die unter 18-jährigen Kinder und Jugendlichen betrachtet, ist die Armutsrisikoquote höher: Im Land Brandenburg lag sie 2016 für die unter 18-jährigen bei 21,1 Prozent, in Deutschland bei 20,2 Prozent und in Ost-Deutschland bei 24,5 Prozent. Damit weisen Familien mit Kindern ein höheres Armutsrisiko auf als Familien ohne Kinder.

Hintergrund

Im November 2015 wurde die gemeinsame Erklärung „Starke Familien – Starke Kinder, Runder Tisch gegen Kinderarmut“ unterzeichnet. An diesem langfristig angelegten Dialog beteiligen sich Vereine, Unternehmen, Verbände und Stiftungen, die etwas gegen Kinderarmut unternehmen wollen. Dabei geht es darum, die Erfahrungen und Erkenntnisse bei der Vermeidung und Bekämpfung von Kinderarmut in Brandenburg zu bündeln, gute Praxis zu veranschaulichen und in einem Dialog Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Partner/innen der Initiative sind neben dem Sozial- und dem Bildungsministerium u.a. das Deutsche Kinderhilfswerk e. V., die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, das Katholische Büro Berlin-Brandenburg, die Landesarbeitsgemeinschaft der Familienverbände im Land Brandenburg, die Landesarmutskonferenz, die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege, die Städte Beelitz, Kyritz und Senftenberg sowie die Stiftung „Hilfe für Familien in Not“.

Weitere Informationen im Internet unter: www.starke-familien-starke-kinder.de

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