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Lesbischwule Tour 2017

Liebe Tour-Teilnehmende,
sehr geehrte Anwesende,

vielen Dank für die Einladung, heute hier die Lesbischwule Tour 2017 zu eröffnen!

Ich freue mich sehr, dass Sie es wieder geschafft haben, diese schon traditionelle Aufklärungs- und Akzeptanztour durch Brandenburg auf die Beine zu stellen. Auch dafür, für Ihr Engagement und Ihre Ideen, möchte ich mich beim Landesverband AndersARTiG und dem Jugendnetzwerk Lambda Berlin-Brandenburg bedanken!

Danke für Ihr offensives und hartnäckiges Eintreten für alternative Lebensweisen!

Ich darf Ihnen an dieser Stelle herzliche Grüße der Ministerin Diana Golze übermitteln, die auch in diesem Jahr gern die Schirmherrschaft übernommen und die Tour damit nicht nur ideell sondern auch finanziell unterstützt hat.

Zum 18. Mal seit 1998 geht die LesBiSchwule T*our an den Start, um in brandenburgischen Städten und Gemeinden - in Jugendclubs, Schulen, Bibliotheken, Beratungsstellen, auf Marktplätzen und in Diskussionsrunden, bei Filmvorführungen, Lesungen, Workshops und Fortbildungen für einen respektvollen und wertschätzenden Umgang aller Menschen zu werben.

Traditionell verläuft die Tour in jedem Jahr durch einen anderen Teil des Landes. In diesem Jahr führt sie in den Brandenburger Nordwesten: Auf dem Reiseplan stehen die Landkreise Ostprignitz-Ruppin und die Prignitz. Genauer gesagt: Die Tour führt von der Landeshauptstadt Potsdam, über Neuruppin weiter nach Wittstock/Dosse, Rheinsberg, Perleberg und findet Ihren Abschluss in Pritzwalk.

Hier werden Sie für Vielfalt, vor allem jedoch für Akzeptanz und Respekt werben, frei nach dem Tour-Motto: „Brandenburg bleibt bunt!“

Eine wunderschöne Tour wird das, schon landschaftlich betrachtet! Aber wir wissen, dass gerade in den kleineren Städten und ländlich geprägten Regionen Brandenburgs schwules, lesbisches und transsexuelles Leben weitgehend unsichtbar ist.

Wer hier mit dem Coming Out kämpft, unsicher ist und sich alleine fühlt, hat es meist noch immer schwer, Gleichgesinnte in der Umgebung zu treffen oder gute Beratung zu finden.

Auch die Angst vor Ausgrenzung in der Familie und der örtlichen Gemeinschaft, vor den kleinen und größeren Beleidigungen im Alltag, vor Diskriminierung und Schikanen ist leider auch heute noch nicht immer unbegründet.

Um Vorurteilen zu begegnen ist es wichtig, Präsenz zu zeigen und ansprechbar zu sein – die Tour ist dafür ein gutes Mittel. Kommunen, die die Regenbogenfahne hissen, zeigen, dass das Leben vor Ort von Vielfalt geprägt und offen für die Verschiedenartigkeit von Menschen ist. So banal der Akt des Fahnehissens erstmal erscheinen mag – so wirkungsvoll kann er sein, wenn er Selbstwertgefühl spendet, Ängste mindert und Identität stiftet.

Alltagsdiskriminierung verschwindet jedoch nicht so leicht aus den Köpfen. Auch nicht allein durch rechtliche Gleichstellung. Aber diese ist das Fundament im Kampf gegen Homophobie, Diskriminierung und Gewalt! Wer auf der rechtlichen Ebene Unterschiede zwischen Menschen aufgrund der sexuellen Identität macht, rechtfertigt sie auch in anderen Bereichen.

Zum mittlerweile 3. Mal nehme ich heute als LGBA an dieser Auftaktveranstaltung teil – dieses Mal können wir aber ganz anders und in besonderer Weise auf der vergangene Jahr zurück- und auf das vor uns liegende in die Zukunft blicken!

Ganz anders, denn es ist viel passiert, seit wir uns das letzte Mal hier gesehen haben.

Ein Baustein, an dem auch die Landesregierung über Bundesratsinitiativen immer wieder mitgewirkt hat, ist die „Ehe für alle“. Jetzt haben wir sie. Aber wer hätte gedacht, dass es damit so wahnsinnig lange dauern würde?

Auch gut, dass die Entschädigung der Opfer des §175 endlich durch den Bundestag ist. Auch das hat unerträglich lange gedauert!

Und wir wissen, was noch alles zu tun ist: das Transsexuellengesetz, das Abstammungsrecht für Regenbogenfamilien, die Ehe auch für Intersexuelle – man weiß eigentlich gar nicht, wo man anfangen soll.

 

Im Land Brandenburg haben wir deshalb angefangen:

- die Landesregierung bekennt sich offen zu Vielfalt und der Unterschiedlichkeit sexueller Orientierungen, Identitäten, Geschlechtlichkeiten und individueller Lebensentwürfe. Landtag und Landesregierung nehmen diese Aufgabe ernst.

- Gerade erarbeiten wir den ersten Aktionsplan „Queeres Brandenburg“. Damit wollen wir erstmal zusammentragen, was vom Land gefördert wird und das dann vernünftig ergänzen. Ziel ist es natürlich, die Auseinandersetzung mit Homo-, Bi- und Transphobie in der Gesellschaft und auf allen politischen Ebenen zu führen, damit sich die Gesellschaft wandelt und wir mehr Akzeptanz, Respekt und Wertschätzung bekommen. Diesen Austausch und diese Diskussionen wollen wir befördern.

Ich möchte mich bei allen bedanken, die bisher schon mitgemacht und Ideen eingebracht haben, ob in den Regionalgesprächen, mit Stellungnahmen oder online. Einen ersten Entwurf des Aktionsplanes haben wir inzwischen und ich möchte Sie alle einladen, diesen am kommenden Montag mit uns im Filmmuseum zu diskutieren. Änderungen am Entwurf sind noch möglich! Der Plan soll Ende des Jahres in Kraft treten.

- Weil wir aber nicht so lange warten wollten, haben wir auch in diesem Jahr schon mal eine ganze Reihe von Projekten gefördert – ich nenne nur einige Schlaglichter, um Ihnen die Vielfalt deutlich zu machen:

  • den Umzug der Landeskoordinierungsstelle in größere, barrierearme Räume,
  • das wichtige Projekt „Schule unterm Regenbogen“,
  • erstmalig in Brandenburg ein Projekt zur Beratung und Vernetzung von Regenbogenfamilien,
  • das Projekt „Queer haven“ für geflüchtete LSBTIQ-Personen, das sich auch um die Vernetzung der Unterkünfte für diese Gruppe kümmert,
  • und eine hochkarätig besetzte, mehrtägige Konferenz zu lesbischen NS-Opfern in der Gedenkstätte Ravensbrück.

Wie gesagt, es gibt da noch einiges mehr.

Lassen Sie uns zusammen einen guten Aktionsplan erarbeiten, der auch die Grundlage für Mehr sein kann.

Schicken wir die Tour deshalb in diesem Jahr mit Stolz und Zuversicht auf den Weg! Ich habe den Eindruck, dass wir gemeinsam eine ganze Menge erreichen können. Ich wünsche Ihnen viele gute Erfahrungen auf dem Weg, viel Spaß und natürlich gutes Wetter!

Vielen Dank!