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Grußwort: Ravensbrück, 20. April 2017

Sehr geehrte Frau Ministerin Golze,
liebe Frau Dr. Eschebach,
sehr geehrte Referentinnen und Referenten,
sehr geehrte Anwesende,

freue mich sehr, dass ich als Landesgleichstellungsbeauftragte Schirmherrin dieser Veranstaltung sein darf! Schirmherrin zu sein bedeutet für mich, den Schirm zu halten über einen geschützten Raum, in dem wir in diesen zwei Tagen diskutieren können.

Ich bin beeindruckt von der hier versammelten Fachkompetenz. Ich freue mich auch, dass einige von Ihnen von weit her, sogar aus dem Ausland, angereist sind, um heute hier teilzunehmen. Ich bin auch glücklich, Zeitzeuginnen des Gedenkens an lesbische Opfer in Ravensbrück aus DDR-Zeiten treffen zu können. Ich bin schon ganz gespannt auf Ihre Vorträge und Diskussionsbeiträge!

Warum kümmere ich mich als Landesgleichstellungsbeauftragte um dieses Thema?

Die Verfolgung und Ermordung von lesbischen Frauen in Ravensbrück hat ihren Ursprung in den patriarchalen Geschlechterverhältnissen und hat mit dem herrschenden Frauenbild zu tun.

Frauen, die ohne Mann lebten, wichen schon seit jeher so sehr von der in der patriarchalen Gesellschaft für sie vorgesehenen Rolle ab und stellten diese infrage, dass sie schon in früheren Zeiten Verfolgung ausgesetzt waren. Man denke etwa an die Hexenprozesse.

In einer patriarchalen Gesellschaft sind Frauen „die anderen“, sie wurden in den privaten Raum verwiesen und gesellschaftlich ausgeblendet. Eine Folge davon sehen wir heute z.B. auf den Straßenschildern und in den Geschichtsbüchern – die noch immer viel zu weitgehende Unsichtbarkeit von Frauen.

Und die sehen wir nicht nur da: Die strukturelle Ungleichbehandlung zwischen den Geschlechtern ist leider noch immer omnipräsent und wird auch gerade aktuell wieder aus der Mottenkiste geholt. Sie führt dazu, dass Frauen weniger sichtbar sind. Auch Unrecht, das Frauen geschieht, ist weniger sichtbar.

Lesbisches Leben wurde zu allen Zeiten erheblich diskriminiert, wenn auch nur selten offen strafrechtlich. Für die Anerkennung der Verfolgung lesbischer Liebe müssen deshalb andere Parameter gefunden werden. Die zentrale Rolle spielten dabei vielmehr strukturelle Diskriminierungen. Diese haben meist vollkommen ausgereicht. Ehe- und Scheidungsrecht, die Lage auf dem Arbeitsmarkt und das Verschweigen seiner Existenz hat lesbisches Leben kaum möglich gemacht.

Und selbst wenn man heute auf Zeugnisse lesbischen Lebens trifft, ist eines auch klar: Diese Zeugnisse aus dem NS-Unrechtsstaat müssen ideologisch analysiert und vor dem Hintergrund gesamtgesellschaftlicher Diskriminierung von Lesben betrachtet werden und können nicht eins-zu-eins verwendet werden. Was unter dem Nazi-Regime als lesbisches Leben verfolgt wurde, muss nicht mit dem übereinstimmen, was wir heute darunter verstehen. Angesichts der gesellschaftlich akzeptierten Diskriminierung wurde dieses Label auch zur Stigmatisierung verwendet, z.B. für Prostituierte. Ich sehe uns daher im Moment nicht in der Lage, beispielhafte Einzelschicksale zu benennen, die Gültigkeit für eine größere Gruppe hätten. Aber warten wir die Ergebnisse der Tagung ab!

Es gibt noch viel zu tun in der wissenschaftlichen Erforschung lesbischen Lebens – auch hier in Brandenburg. Das gilt für ganz früher, die NS-Zeit, die DDR, die Nachwendezeit und heute. Und das gilt natürlich auch für andere Gruppen, für schwules Leben, Transsexuelle und Transgender und Transvestiten als Verfolgte (nicht nur) des NS-Regimes.

Die Geschlechterkonstruktionen von damals wirken noch heute. Noch heute kulminiert die Benachteiligung von Frauen in lesbischen Partnerschaften – hier sind häufig beide in frauentypisch prekärer Beschäftigung oder in frauentypischer Altersarmut. Auch die Sichtbarkeit von Lesben ist noch lange nicht überall gegeben.

Das ist das zentrale Thema einer Landesgleichstellungsbeauftragten: Auf Diskriminierung aufgrund des Geschlechts aufmerksam zu machen und Benachteiligungen abzubauen. Dabei geht es auch darum, die Sichtbarkeit von Frauen zu erhöhen und die Forschung zu lesbischem Leben zu fördern – auch über den Tag hinaus. Damit eine fundierte Auseinandersetzung überhaupt erst möglich wird.

Eine öffentliche Veranstaltung wie diese ist ein guter Schritt dahin. Ich möchte dieses Anliegen aber auch über den Tag hinaus weiter befördern.

Ich danke Frau Dr. Eschebach und der Gedenkstätte Ravensbrück für die Räume und die Organisation der Veranstaltung.

Und nun wünsche ich uns allen eine erkenntnisreiche Tagung!

Vielen Dank!