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15.09.2016 IAB-Betriebspanel Brandenburg 2015 / Mindestlohn kommt an: Über 140.000 Beschäftigte in Brandenburg profitierten direkt | 138/2016

Für die Beschäftigten verbessert sich die Situation auf dem Brandenburger Arbeitsmarkt spürbar: Mit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro ist der Verdienst im Jahr 2015 deutlich gestiegen, bei über 140.000 Beschäftigten in Brandenburg stieg dadurch der Stundenlohn mindestens auf Mindestlohnniveau. Ferner gibt es in Brandenburg immer mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse, wenn auch oft in Teilzeit. Für die Betriebe wird es gleichzeitig immer schwieriger, offene Fachkräftestellen zu besetzen. Das geht aus dem neuen IAB-Betriebspanel Brandenburg 2015 hervor, das Arbeitsministerin Diana Golze heute in Potsdam vorstellte. Dafür wurden 1.050 märkische Betriebe von Juli bis Oktober 2015 zur Entwicklung ihrer wirtschaftlichen Situation und der Beschäftigung durch TNS Infratest Sozialforschung befragt. Die Daten wertete das Institut für sozialökonomische Strukturanalysen (SÖSTRA) unter Leitung von Dr. Vera Dahms aus.

Arbeitsministerin Diana Golze sagte: „Immer mehr Brandenburgerinnen und Brandenburger finden eine Arbeit in ihrer Heimat. Überdurchschnittlich viele Menschen in Brandenburg profitieren vom gesetzlichen Mindestlohn. Erfreulich ist auch, dass sich der Abstand zu den Westlöhnen etwas verringert hat, hier zeigt der Mindestlohn ebenfalls seine Wirkung. Ein wichtiges Handlungsfeld der Brandenburger Arbeitsmarktpolitik bleibt weiter die Tarifbindung. Der langjährige Rückgang der Tarifbindung konnte zwar seit 2012 gestoppt werden, die Reichweite ist jedoch nach wie vor deutlich geringer als in Westdeutschland. Dabei nutzt eine stärkere Tarifbindung Arbeitgebern und Beschäftigten gleichermaßen.“

Dr. Vera Dahms erklärte: „Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des deutlich steigenden Fachkräftebedarfs verbessern sich besonders für Ältere die Chancen auf Arbeit. Die Untersuchung zeigt, dass sich in den vergangenen zehn Jahren das Einstellungsverhalten der Betriebe gegenüber Personen im Alter ab 50 Jahren insgesamt positiv verändert hat. Im ersten Halbjahr 2015 wurden in Brandenburg 54 Prozent aller verfügbaren Stellen, auf die sich Ältere beworben hatten, auch mit einer Person besetzt, die 50 Jahre und älter war. Allerdings gab es lediglich auf etwa 41 Prozent aller zuletzt besetzen Stellen auch Bewerbungen Älterer. Das Bewerbungsverhalten Älterer ist stark selektiv. Bevorzugt werden insbesondere größere Betriebe, in denen sich auf freie Stellen deutlich mehr Ältere bewarben als in kleineren Betrieben. Viele ältere Fachkräfte sind hoch motiviert, leistungsfähig und gut ausgebildet. Für die Fachkräftesicherung ist diese Gruppe von immer größerer Bedeutung.“

Die Nachfrage nach Fachkräften steigt in Brandenburg weiter stark an: Im ersten Halbjahr 2015 suchten die Betriebe für rund 66.000 Stellen neue Fachkräfte – der bisherige Höchstwert (2014: 59.000). Rund 46.000 Fachkräfte wurden eingestellt, 2.000 mehr als ein Jahr zuvor. Doch die Stellenbesetzung ist kein Selbstläufer: über 20.000 Fachkräftestellen blieben zum gewünschten Einstellungstermin unbesetzt, das sind 5.000 mehr als in 2014.

So kletterte die Nichtbesetzungsquote gegenüber dem Vorjahr um 6 Punkte auf 31 Prozent. Das heißt: von den im ersten Halbjahr 2015 verfügbaren Fachkräftestellen waren in Brandenburg zum Befragungszeitpunkt 31 Prozent unbesetzt (Ost: 29%, West: 26%). Unter den ostdeutschen Flächenländern ist das die höchste Nichtbesetzungsquote. Je kleiner ein Betrieb, umso mehr Stellen blieben unbesetzt.

Golze sagte: „Der Mehrheit der Brandenburger Betriebe mit Fachkräftebedarf gelingt es, den überwiegenden Teil der angebotenen Stellen auch zu besetzen. Von einem flächendeckenden Fachkräftemangel der Wirtschaft kann daher noch nicht gesprochen werden. Aber die Sicherung des Bedarfs an qualifiziertem Personal wird für Brandenburgs Betriebe eine immer größere Herausforderung. Besonders für Kleinstbetriebe. Das Land unterstützt sie zum Beispiel mit der Förderung von betrieblicher Weiterbildung. Auch mit einer familienbewussten Personalpolitik können Betriebe für Fachkräfte attraktiver werden. Hierbei erhalten in Brandenburg kleine und mittlere Unternehmen kostenfrei Unterstützung von der ‚Servicestelle Arbeitswelt und Elternzeit‘. Die Fachkräftesicherung ist zudem ein Handlungsschwerpunkt des ‚Brandenburger Bündnisses für Gute Arbeit‘, in dem alle Arbeitsmarktakteure eng zusammenarbeiten.“

Ein Schwerpunkt des neuen IAB-Betriebspanels sind die Auswirkungen des allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro je Stunde, der seit dem 1. Januar 2015 flächendeckend in Deutschland gilt.

In Brandenburg sowie in Ostdeutschland insgesamt waren bis zur Einführung des gesetzlichen Mindestlohns Stundenlöhne unterhalb von 8,50 Euro erheblich weiter verbreitet als in Westdeutschland. Das aktuelle Betriebspanel zeigt: In 2015 arbeiteten in 41 Prozent aller Betriebe in Brandenburg Beschäftigte, deren Lohnniveau aufgrund der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns auf mindestens 8,50 Euro brutto je Stunde angehoben wurde (Ost: 38%, West: 17%). Von der Lohnsteigerung profitierten in Brandenburg hochgerechnet insgesamt rund 140.000 Beschäftigte (Ost: 900.000, West: knapp 1,5 Millionen).

Golze betonte: „Die Brandenburgerinnen und Brandenburger profitierten besonders von der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns. Das zeigt, dass es wichtig und richtig war, dass das Land Brandenburg so lange und ausdauernd für den Mindestlohn gekämpft hatte. Und es kam auch nicht zu dem von vielen Kritikern befürchteten Beschäftigungseinbruch. Im Gegenteil: Trotz Einführung des Mindestlohns belegen die Arbeitsmarktzahlen der Bundesagentur für Arbeit für das Jahr 2015 sogar einen Anstieg der Beschäftigung insgesamt. Das zeigt, dass der gesetzliche Mindestlohn erfolgreich ist. Jetzt kommt es darauf an, dass der Mindestlohn weiterentwickelt wird.“

Die Umfrageergebnisse zeigen, dass Betriebe ganz überwiegend auf eine Erhöhung der Absatzpreise und/oder eine Reduzierung der Arbeitszeit gesetzt haben, um steigende Lohnkosten zu kompensieren und nicht auf Entlassungen/Beschäftigungsabbau.

Mit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns hat sich der Lohn-Unterschied zwischen Brandenburg und Westdeutschland verringert: Der monatliche Bruttodurchschnittslohn lag in Brandenburg laut Betriebspanel im Juni 2015 bei 2.120 Euro, das sind im Vergleich zum Vorjahr 100 Euro mehr (Ost: 2.210 Euro / +110 Euro, West: 2.560 Euro / +30 Euro).

Damit hat sich der Abstand zum Lohnniveau im Westen verringert: Lag der Lohn der Brandenburger Beschäftigten in den zurückliegenden Jahren relativ konstant bei rund 80 Prozent, erhöhte sich die Angleichungsquote durch die Einführung des Mindestlohns in 2015 auf 83 Prozent.

Die Stabilisierungstendenzen bei der Tarifbindung in Brandenburg halten an: Im Jahr 2012 konnte in Brandenburg der langjährige Rückgang der Tarifbindung gestoppt werden. Seitdem zeichnet sich eine Stabilisierung ab, allerdings auf einem niedrigen Niveau im Vergleich mit Westdeutschland. 2015 waren in Brandenburg 23 Prozent aller Betriebe tarifgebunden (Ost: 21 %, West: 31 %). Damit erreicht die Tarifbindung mit 52 Prozent über die Hälfte aller Beschäftigten (Ost: 49 %, West: 59 %). Das aktuelle Betriebspanel zeigt, dass sich darüber hinaus weitere 27 Prozent der märkischen Betriebe mit 20 Prozent aller Beschäftigten bei der Bezahlung an Tarifverträgen zumindest orientieren.

Um den Fachkräftenachwuchs durch eigene Ausbildung sicher zu können, müssen die Betriebe über eine entsprechende Berechtigung verfügen: 53 Prozent aller Brandenburger Betriebe haben solch eine Ausbildungsberechtigung (Ost: 49%, West: 56%). Aber nur 39 Prozent davon bildeten im Jahr 2015 tatsächlich aus (2014: 38 %). Damit liegt Brandenburg weiter unter dem ostdeutschen Durchschnitt (43 %). Insgesamt bildeten von allen Betrieben in Brandenburg 2015 21 Prozent aus (Ost: 21 %, West: 30 %).

Golze betonte: „Die Ausbildungsbereitschaft der brandenburgischen Betriebe muss größer werden. Sie müssen noch stärker auf junge Menschen zugehen und sie von einer betrieblichen Ausbildung mit guten Arbeitsbedingungen, ordentlicher Bezahlung und attraktiven Entwicklungsmöglichkeiten überzeugen. Nur so kann es gelingen, auch künftig ausreichend Nachwuchskräfte zu gewinnen. Mit der vor einem Jahr gestarteten ‚Brandenburger Ausbildungsoffensive‘ werden die Betriebe dabei von allen Arbeitsmarktakteuren unterstützt.“

Für die Ausbildungsbetriebe gibt es weiter Schwierigkeiten bei der Suche nach Lehrlingen. Zwar verringerte sich in den Jahren 2013 bis 2015 sowohl der Anteil der Betriebe mit unbesetzten Ausbildungsstellen von 65 auf 49 Prozent wie auch der Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen von 46 auf 40 Prozent, aber die Brandenburger Werte lagen im vergangenen Jahr oberhalb der ostdeutschen (46 % bzw. 33 %) und sehr deutlich oberhalb der westdeutschen Vergleichswerte (27 % bzw. 17 %).

Wer erfolgreich eine Ausbildung abschließt, hat gute Chancen auf einen Arbeitsplatz im Betrieb: Die Übernahmequote von Ausbildungsabsolventen ist gestiegen: 67 Prozent wurden 2015 von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen (2014: 59 Prozent). Damit liegt Brandenburg bei der Übernahmequote nur noch knapp unter dem Durchschnitt der Ost- und West-Länder von jeweils 68 Prozent.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit führt mit dem Brandenburger Arbeitsministerium seit 1996 jährlich die repräsentative Arbeitgeberbefragung für das Betriebspanel durch. In dieser Längsschnitterhebung werden jedes Jahr dieselben Betriebe befragt. Die Befragung erfolgte durch TNS Infratest Sozialforschung, den Auswertungsbericht für Brandenburg erstellte SÖSTRA. Die Analyse wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert.

Der Gesamtbericht ist im Internet unter www.masgf.brandenburg.de eingestellt.

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