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Start der LesBiSchwule T*our am 5. September 2016

Liebe Tour-Teilnehmende,
sehr geehrte Anwesende,

es freut mich sehr, dass es erneut gelungen ist, diese traditionelle Aufklärungs- und Akzeptanztour durch Brandenburg auf die Beine zu stellen.

Ich darf Ihnen an dieser Stelle herzliche Grüße der  Ministerin Frau Diana Golze übermitteln, die auch in diesem Jahr sehr gern die Schirmherrschaft übernommen und die Tour damit nicht nur ideell sondern auch finanziell unterstützt.

Ein besonderer Dank gilt natürlich auch den Organisatorinnen und Organisatoren für das engagierte, offensive und hartnäckige Eintreten für alternative Lebensweisen in Brandenburg.

Zum 18. Mal seit 1998 geht/ ging die LesBiSchwule T*our am 5. September 2016 an den Start, um in mittelgroßen und kleinen Städten des Landes Brandenburg - in Jugendclubs, Schulen, Bibliotheken, Beratungsstellen, auf Marktplätzen und in Diskussionsrunden, bei Filmvorführungen, Lesungen, Workshops und Fortbildungen für einen respektvollen und wertschätzenden Umgang aller Menschen miteinander unabhängig von der sexuellen Identität zu werben.

In diesem Jahr bereist/e die LesBiSchwule Tour* die Landkreise Spree-Neiße und Oberspreewald- Lausitz.

Mit dem Wunsch und der Sehnsucht nach einem friedlichen Miteinander wird wie in jedem Jahr auch diesmal für Vielfalt, vor allem jedoch für Akzeptanz und Respekt gegenüber verschiedenen Lebensentwürfen geworben, frei nach dem Tour-Motto: „Brandenburg bleibt bunt!“

In der quirligen Anonymität der großen Städte ist dies vielleicht schon selbstverständlich; dort ist der Kreis mutiger Gleichgesinnter größer und es können sich lebhafte Communities entwickeln.

Doch solche Großstädte sind in Brandenburg selten - nach wie vor bleibt in den Kleinstädten und ländlich geprägten Regionen Brandenburgs die schwule oder lesbische Lebensweise weitgehend unsichtbar.

Wer denkt, er oder sie sei der einzige homosexuelle Mensch im Umkreis, hat es schwer, ein Coming out zu vollziehen und womöglich eine homosexuelle Beziehung offen zu leben. Zu groß ist die Angst vor Ausgrenzung, vor kleinen und größeren Beleidigungen, vor Diskriminierung.

Dabei gilt auch in Brandenburg: 5 bis 10 Prozent der Menschen sind homosexuell. Sie haben ein gesetzlich verbrieftes Recht, vor Diskriminierung und Benachteiligung geschützt zu werden.

Aber auch wenn ihnen das Gesetz eine hohe Rechtssicherheit gibt, ist die alltägliche Realität oft eine andere. Klischees und Vorurteile halten sich noch immer und die abwertende Distanz ist immer noch weit verbreitet.

Im Jahr 1994 wurde der Paragraf 175 abgeschafft, der Sexualkontakte unter Männern unter Strafe stellte. Seit 2001 können Homosexuelle in Deutschland eine Lebenspartnerschaft eingehen. Das Land Brandenburg hat immer wieder im Bundesrat versucht, die Ehe auch für homosexuelle Paare zu öffnen, um endlich auch in diesem Punkt eine völlige Gleichstellung zu erreichen.

Aber Unkenntnis, Vorurteile sowie Intoleranz verschwinden erst, wenn möglichst viele Menschen verstehen und akzeptieren, dass jede Art zu leben und zu lieben, Achtung und Respekt verdient.

Es ist traurig, aber wahr: Noch immer brauchen wir in Brandenburg Aufklärung über andere Lebensweisen und wir brauchen Sichtbarkeit, wie z. B. diese jährliche Tour.

Als Landesgleichstellungsbeauftragte möchte ich auch dazu beitragen, die Sichtbarkeit zu erhöhen, um Diskriminierung aufgrund des Geschlechts oder der sexuellen Identität abzubauen. Ich bin froh, dass es neben der Tour auch an den restlichen Tagen des Jahres Initiativen im Land gibt, die sich dieses Ziel gesetzt haben und die ich gern in ihrem Engagement würdigen möchte. Sie alle haben Anteil daran, den Gedanken der Gleichstellung im Land Brandenburg zu Leben und dauerhaft zu verankern. Da gibt es:

  • die Arbeit mit LSBTI-Geflüchteten und die vielen Ehrenamtlichen, die sich auf diesem Gebiet engagieren
  • die Regenbogenfamilien in Brandenburg, die sich am Samstag, dem 17. September, auf der Wiese am Schiffbauerdamm zu einem öffentlichen Picknick verabredet haben
  • die Initiative zum Gedenken der lesbischen Opfer des KZ Ravensbrück, die ihren Ursprung in den zaghaften Anfängen einer Lesbenbewegung in den Achtziger Jahren hat
  • oder die AIDS-Hilfe in Cottbus, die unter ihrem Dach zahlreiche Initiativen aus dem LSBTI-Bereich vereint.

Die Gleichstellung aller Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Identität und ihrer Geschlechtsidentität ist aber auch ein wichtiges Anliegen der Landesregierung.

Diese wurde in einem Beschluss des Brandenburger Landtages vom 9. Juni 2016 aufgefordert, einen „Aktionsplan für Akzeptanz von geschlechtlicher und sexueller Vielfalt, für Selbstbestimmung und gegen Homo-und Transphobie in Brandenburg“ bis Ende 2017 vorzulegen.

Mit diesem Aktionsplan sollen die bereits vorhandenen und vom Land Brandenburg geförderten Aktivitäten zusammengeführt und sinnvoll ergänzt werden, mit dem Ziel, einen umfassenden Prozess der Auseinandersetzung mit Homo-, Bi- und Transphobie in der Gesellschaft sowie auf allen politischen Ebenen zu initiieren und einen positiven gesellschaftlichen Wandel hin zu Akzeptanz, Respekt, Wertschätzung und vor allem Dialog zu bewirken und zu verstetigen.

Dieser Aktionsplan soll in einem partizipativen Prozess erarbeitet werden und ich freue mich bereits auf die Zusammenarbeit mit Ihnen dazu. Ich bin gespannt, welche Themenfelder Ihnen am Herzen liegen und wie wir diese in die Landespolitik einspeisen können.

Ich möchte mich noch einmal bei Ihnen für Ihr Engagement bedanken, bin gespannt zu erfahren, welche Erfahrungen Sie selbst auf der Tour sammeln, freue mich auf die weitere Zusammenarbeit und wünsche für heute noch eine schöne Veranstaltung!

Ihre Landesgleichstellungsbeauftragte, Monika von der Lippe