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Sprache als Schlüssel zur Integration

„Sprache ist der Schlüssel zur Integration.“ Diese zentrale Aussage prägt die öffentliche Integrationsdebatte in Deutschland. Kenntnisse der deutschen Sprache sind nicht nur eine Grundvoraussetzung für die Integration in das Bildungs- und Ausbildungssystem sowie in den Arbeitsmarkt, sondern auch für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. In einem sozialen Verständnis ist Integration nur dann möglich, wenn Menschen aufeinander zugehen und mit einander sprechen können. Deswegen ist das Erlernen der deutschen Sprache der wichtigste Schritt für eine erfolgreiche Integration. Flüchtlinge sollen vom ersten Tag an die Möglichkeit bekommen, Deutsch zu lernen.

Sprachkurse sollten so früh wie möglich unabhängig vom Aufenthaltsstatus des einzelnen Flüchtlings angeboten werden und flächendeckend zugänglich sein. Der Bund trägt die Hauptverantwortung, dass in Deutschland ausreichend Integrations- und Sprachkurse für Flüchtlinge angeboten werden können. Mit dem Asylverfahrensbeschleunigungsgesetz des Bundes, das seit dem 1. November 2015 gilt, wurden die Integrationskurse für Asylbewerberinnen und Asylbewerber sowie Geduldete mit sogenannter guter Bleibeperspektive geöffnet. Damit bleiben aber auch künftig zahlreiche Asylbewerberinnen und Asylbewerber von der Teilnahme am Integrationskurs ausgeschlossen.

Landesprogramm „Deutsch für Flüchtlinge in Brandenburg“

Ziel der rot-roten Landesregierung ist es, allen Flüchtlingen in Brandenburg einen Sprachkurs anzubieten. Das MASGF unterstützt mit dem Landesprogramm „Deutsch für Flüchtlinge in Brandenburg“ seit Mitte 2014 Ausländerinnen und Ausländer beim Erlernen der deutschen Sprache, die nach § 44 des Aufenthaltsgesetzes bislang nicht an den vom Bund finanzierten Integrationskursen teilnehmen dürfen. Bis Mai 2015 standen zunächst 1,5 Millionen Euro im Rahmen der ESF-Förderperiode 2007-2013 zur Verfügung. Das MASGF hat das Programm zwischenzeitlich bis einschließlich 2017 verlängert; dafür stehen sechs Millionen Euro aus dem ESF zur Verfügung. Landesweit können damit mehr als 2.000 Asylsuchende und Geduldete an diesem Programm teilnehmen. Es handelt sich um eine freiwillige Leistung des Landes.

Mit den Deutschkursen können Asylbewerberinnen und Asylbewerber sowie geduldete Flüchtlinge, die nicht mehr der Schulpflicht unterliegen, aber auch noch keinen Anspruch auf einen Integrationskurs des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) haben, qualifiziert Deutsch lernen und einen offiziell anerkannten Sprachtest auf dem Niveau A2 bis B1 absolvieren. Ein Sprachkurs besteht aus sechs Modulen mit  jeweils 100 Stunden. Mit welchem Modul begonnen werden sollte, wird vor Kursbeginn mit einem Einstufungstest ermittelt. Gefördert werden auch die Fahrtkosten. Am Ende der Maßnahme findet ein Abschlusstest statt.

Soweit sich der aufenthaltsrechtliche Status der Flüchtlinge ändert, ist ein unverzüglicher Wechsel in einen bundesfinanzierten Sprachkurs vorgesehen. Da die Kurse inhaltsgleich zu Integrationskursen ablaufen und von den Integrationskursträgern durchgeführt werden, ist jederzeit ein Wechsel aus dem Landesprogramm in die Integrationskurse möglich. Zur Erhöhung der Beschäftigungsfähigkeit können im Anschluss die berufsbezogenen Deutschkurse des BAMF besucht werden.

Das Landesprogramm wird flächendeckend im gesamten Land Brandenburg durchgeführt. Zur regionalen Organisation wurden vier Koordinierungsstellen eingerichtet, die Interessierte dabei beraten, wo sie einen Einstufungstest machen können und wann die nächsten Sprachkurse stattfinden.

Einige Kommunen und Landkreise in Brandenburg stellen darüber hinaus eigene Mittel für Deutschkurse zur Verfügung, die die Landesförderung sinnvoll ergänzen.

Mit diesem Angebot war Brandenburg 2014 Vorreiter und das einzige Bundesland, das Flüchtlingen die Teilnahme an Sprachkursen mit ESF-Mitteln ermöglichte. Die Nachfrage nach diesem Angebot ist sehr groß.

Angesichts der anhaltend hohen Flüchtlingszahlen und mit Blick auf die begrenzten ESF-Mittel ist aber auch klar, dass über diese Finanzierung nicht allen Flüchtlingen in Brandenburg ein qualifiziertes Deutschkursangebot gemacht werden kann. Die von den Ländern geforderte weitergehende Öffnung der Integrationskurse auch für Asylsuchende und Geduldete im § 44 des Aufenthaltsgesetzes wäre ein Beitrag zu einer gerechteren finanziellen Lastenverteilung zwischen Bund und Ländern.

Einstiegskurse der Bundesagentur für Arbeit für Asylbewerberinnen und Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) konnte kurzfristig im Rahmen des Arbeitsförderungsrechts nach § 421 SGB III Maßnahmen zur Vermittlung von Basiskenntnissen der deutschen Sprache ab dem 24. Oktober 2015 für Asylbewerberinnen und Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive fördern. Für Brandenburg gab es über 7.300 Plätze. Es handelte sich um reine Deutschkurse, bei denen Eintritte allerdings auch nur bis zum 31. Dezember 2015 möglich waren. Die Förderung war für jede Teilnehmende und jeden Teilnehmenden bis zu acht Wochen möglich.

Gefördert wurden Ausländerinnen und Ausländer, die bei Eintritt in die Maßnahme eine Aufenthaltsgestattung bzw. eine Bescheinigung über die Meldung als Asylsuchender (BüMA) besitzen und nicht aus einem sicheren Herkunftsstaat nach § 29a Asylgesetz stammen und bei denen damit ein rechtmäßiger und dauerhafter Aufenthalt zu erwarten ist. Zugelassen waren nur Personen, die aus den Herkunftsländern Eritrea, Syrien, Irak und Iran stammen.[15]

Sprachförderung in Kitas und Schulen

Im Laufe des Jahres 2015 wurden etwa 5.600 Kinder im Alter bis 12 Jahren aus Flüchtlingsfamilien in der Erstaufnahme registriert und die meisten von ihnen in Brandenburg verteilt - im Jahr 2014 waren es etwa 1.200. Es erfordert besondere Anstrengungen von den Kommunen, den Kita-Teams und Schulen, unterschiedliche Nationen, Kulturen und Sprachen, geringe Deutschkenntnisse von Kindern und Eltern sowie mitunter traumatisierte Kinder zu berücksichtigen und diesen gerecht zu werden. Das Land unterstützt diese Arbeit z.B. durch Fortbildung und Qualifizierung der Fachkräfte. Ausführliche Informationen zur Sprachförderung von geflüchteten Kindern und Jugendlichen in Kitas und Schulen sowie zu den verschiedenen Förderungen und Unterstützungsangeboten enthält das Informationspapier des MBJS "Flucht, Asyl und Integration: Kinder und Jugendliche, Weiterbildung und Sport im Land Brandenburg" (PDF-Datei, 1,5 MB).

Sprachkurse der Volkshochschulen

Die Volkshochschulen bieten ebenfalls Deutschkurse verschiedener Art (z.B. Einführung in die Alltagssprache, Deutschkurse mit anerkanntem Zertifikat, Integrationskurse) an. Die Nachfrage übersteigt allerdings oftmals das Angebot, die Plätze reichen vielerorts nicht aus[16], so dass Volkshochschulen lernwillige Flüchtlinge zum Teil abweisen müssen. Ein Grund für die hohe Nachfrage ist, dass Flüchtlinge in Deutschland derzeit eine offizielle Aufenthaltsgestattung brauchen, um einen Integrationskurs des BAMF besuchen zu können.

Qualifizierung weiterer Sprachmittlerinnen und Sprachmittler

Nur ein kleiner Teil der zu uns kommenden Asylsuchenden und Flüchtlinge beherrscht die deutsche Sprache in ausreichendem Maße. Oftmals sind es Standardsituationen, die die Menschen nach ihrer Ankunft noch nicht meistern können. Dies birgt die Gefahr von wesentlichen Informationsverlusten und Missverständnissen. Deshalb wird Sprachmittlung[17] an allen Ecken und Enden gebraucht. Von der Erstaufnahme bis zu Arztbesuchen, von der Kompetenzfeststellung im Rahmen der Arbeitsmarktintegration bis zu den meisten Behördengängen, von der Kita bis zum Sportverein.

Das MASGF fördert die Ausbildung weiterer kultursensibler Sprachmittlerinnen und Sprachmittler. Dabei werden Personen mit den Muttersprachen Arabisch, Kurdisch, Persisch, Russisch, Urdu sowie Englisch und Französisch in Lehrgängen für eine niedrigschwellige Sprachmittlung qualifiziert.

Darüber hinaus fördert das MASGF den Ausbau der Vermittlungszentrale für die organisatorische und fachliche Begleitung dieses landesweiten Sprachmittelndenpools zusätzlich.

Stand: Oktober 2016



[15] Weitere Informationen unter https://www.arbeitsagentur.de/web/content/DE/Institutionen/Traeger/Einstiegskurse/Detail/index.htm?dfContentId=L6019022DSTBAI782320

[16] Märkische Allgemeine Zeitung vom 26.10.2015: „Brandenburger Volkshochschulen unter Druck – Kurse für Flüchtlinge: Lehrer werden knapp“

[17] Sprachmittlung ist ein Oberbegriff für jede Art der Übertragung eines Textes aus einer Sprache in eine andere.