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01.10.2015Modellprojekt „Fachstellen Altern und Pflege im Quartier“ - Sozialministerin Golze startet Brandenburger Pflegeoffensive: „Pflege der Zukunft gestalten“ | 147/2015

Start der Brandenburger Pflegeoffensive: Birgitta Neumann, Stefan Pospiech, Diana Golze und Gerlinde König (v.l.n.r.) Neues Fenster: Bild - Pressekonferenz zum Start der Brandenburger Pflegeoffensive - vergrößern Start der Brandenburger Pflegeoffensive: Birgitta Neumann, Stefan Pospiech, Diana Golze und Gerlinde König (v.l.n.r.)

Selbstbestimmt bis ins hohe Alter sollen Menschen im Land Brandenburg in der Mitte der Gesellschaft leben können. Das fordert Sozialministerin Diana Golze anlässlich des heutigen Internationalen Tages der älteren Generationen. Auf einer Pressekonferenz in der Potsdamer Staatskanzlei startete sie die erste Maßnahme der Brandenburger Pflegeoffensive: Das Modellprojekt „Fachstellen Altern und Pflege im Quartier“. Golze: „Wir gestalten die Pflege der Zukunft und das ist eine Pflege im Quartier. Genau dort, wo sich das Leben abspielt. Voraussetzung dafür sind alternsgerechte Strukturen und aktivierende Unterstützungsangebote vor Ort. Erstes Ziel der Pflegeoffensive ist die Weiterentwicklung pflegerischer Versorgungsstrukturen und der Ausbau von niedrigschwelligen Angeboten in den Kommunen.“

Das Modellprojekt wird in Zusammenarbeit von Gesundheit Berlin-Brandenburg e.V., der Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg e.V. Selbsthilfe Demenz und dem Berliner Institut für Gerontologische Forschung e.V. umgesetzt. Dafür stehen bis Ende 2016 bis zu 655.000 Euro aus Landesmitteln zur Verfügung.

An der Pressekonferenz nahmen auch Stefan Pospiech, Geschäftsführer von Gesundheit Berlin Brandenburg, für die Pflegekassen Gerlinde König, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost, und Birgitta Neumann von der Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg Selbsthilfe Demenz teil.

Diana Golze erklärte: „Unsere Gesellschaft wird immer älter. Das ist gut und bietet viele Chancen, stellt uns aber auch vor neue Herausforderungen. Angesichts der steigenden Lebenserwartung wird die Anzahl altersbedingter Erkrankungen wie Demenz und damit die Zahl der hilfe- oder pflegebedürftigen Menschen gerade in Brandenburg zunehmen. Künftig werden deutlich mehr Seniorinnen und Senioren über Jahre hinweg auf Unterstützung im Alltag angewiesen sein. Darauf müssen wir uns mit innovativen Ideen und Lösungen vorbereiten. Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die starke Partner vor Ort braucht. Denn die meisten Menschen wollen in den Orten alt und gepflegt werden, in denen sie den Großteil ihres Lebens verbracht haben. Hier müssen die Voraussetzungen geschaffen werden, damit pflegebedürftige Menschen so lange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung bleiben können. Das Entstehen von Pflegebedürftigkeit hat viel mit den Lebensumständen zu tun. Hier setzt die erste große Maßnahme unserer Pflegeoffensive an.“

Die „Fachstellen Altern und Pflege im Quartier“ bauen auf den Ergebnissen der „Brandenburger Fachkräftestudie Pflege“ auf, die das Sozialministerium im vergangenen Jahr veröffentlicht hatte. Die Studie zeigt, dass ein wichtiges Handlungsfeld vor allem die Verzögerung und Vermeidung von Pflegebedürftigkeit ist.

Stefan Pospiech erklärte: „Pflegebedürftigkeit kann vermieden, verzögert oder wenigstens vermindert werden. Wer in das Leben in der Kommune eingebunden ist, auf soziale Netzwerke zurückgreifen kann und die passende Unterstützung erhält, hat ein verringertes Risiko pflegebedürftig zu werden. Hier bestehen noch erhebliche ungenutzte Potenziale, die wir mit dem Modellprojekt erschließen wollen. Voraussetzung für die Pflege der Zukunft sind deshalb vor allem präventive, rehabilitative Angebote und eine gemeinsame Strukturentwicklung vor Ort. Denn hier können Selbständigkeit und Teilhabe am sozialen Leben am besten gefördert werden. Dazu zählen auch alternsgerechte Wohnangebote. Die neuen Fachstellen werden die Landkreise, kreisfreien Städte und die Kommunen unterstützen, gemeinsam mit den älteren Menschen bedarfsorientierte Altenhilfestrukturen zu entwickeln. Dabei wird auf den vielfältigen guten Ansätzen in Brandenburg aufgebaut.“

Gerlinde König sagte: „Die häusliche Pflege hat im Land Brandenburg einen hohen Stellenwert. 77 Prozent aller Pflegebedürftigen werden in der eigenen Häuslichkeit entweder von Angehörigen oder von ambulanten Pflegediensten versorgt. Im Vergleich zu anderen Ländern ist das ein Spitzenwert. Damit die häusliche Pflege auch in Zukunft weiter gestärkt wird, begrüßen die Pflegekassen das Modellprojekt deshalb ausdrücklich, um in den Städten und Gemeinden niedrigschwellige Betreuungsangebote auf- und ausbauen zu können. Denn die Betreuung der älteren Menschen rund um die Uhr sicherzustellen, ist gerade für die pflegenden Angehörigen häufig eine sehr große Belastung. Die Pflegekassen bieten allen Pflegebedürftigen Leistungen für zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsangebote an. Zudem organisieren die Pflegekassen in Kooperation mit den kommunalen Sozialämtern in den lokalen Pflegestützpunkten erfolgreich eine ,Beratung aus einer Hand‘. Die Erfahrungen im Beratungsalltag zeigen aber zugleich, dass es vor Ort noch mehr konkreter Unterstützungsstrukturen und -angebote bedarf und auch das soziale Umfeld und die Lebenswirklichkeit auf die Bedürfnisse der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen noch stärker angepasst werden muss.“

Birgitta Neumann sagte: „In Brandenburg gibt es mittlerweile mehr als 230 niedrigschwellige Betreuungs- und Entlastungsangebote allein für Menschen mit Demenz. Über 2.800 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer wurden für die Begleitung von Menschen mit Demenz geschult. Sie entlasten pro Jahr etwa 3.000 pflegende Angehörige und Familien zu Hause. Sie führen mit den Demenzerkrankten Gespräche, gehen spazieren und einkaufen, kochen, lesen oder singen und steigern damit das Wohlbefinden. Sie helfen, die Menschen fit zu halten, und ihnen so weitere Jahre in ihrer vertrauten Umgebung zu ermöglichen. Darauf müssen wir aufbauen. Neben Pflegediensten und Pflegeeinrichtungen werden zudem immer mehr unterstützende Wohnformen, aktive Freunde und Nachbarn, zivilgesellschaftliches Engagement sowie verständnisvolle Arbeitgeber für die pflegenden Angehörige gebraucht.

Die „Fachstellen Altern und Pflege im Quartier“ werden sowohl Landkreise und kreisfreie Städte als auch kreisangehörige Gemeinden bei der Planung und Gestaltung lokaler Pflegestrukturen und altengerechter Lebensräume noch besser unterstützen. Zugleich sollen sie die Aufgaben einer landesweiten Koordinierung für den Auf- und Ausbau niedrigschwelliger Betreuungs- und Entlastungsangebote übernehmen. Sie werden lokale Akteure in der Pflegepolitik zu allen Fragen rund um das Thema „Altern und Pflege im Quartier“ beraten und zur Entwicklung neuer Wohnformen für Ältere und Pflegebedürftige im Land Brandenburg beitragen. Nicht nur Kommunen, sondern auch andere Akteure wie z.B. Vereine, Verbände und Unternehmen sollen bei der alternsgerechten Quartiersentwicklung eingebunden und unterstützt werden. Ziel ist die langfristige Etablierung der Fachstellen im Land Brandenburg.

Das Modellprojekt verfolgt fünf Arbeitsschwerpunkte: 1.) Ausbau und Weiterentwicklung niedrigschwelliger Betreuungs- und Entlastungsangebote, 2.) Pflege und Altern im Quartier, 3.) Wohnen und Technik im Alter, 4.) Neue Wohnformen für Ältere und Pflegebedürftige sowie 5.) Unterstützung der Landkreise und kreisfreien Städte beim Aufbau und der Umsetzung einer Pflegestrukturplanung.

Ein alternsgerechtes Quartier bezieht sich auf einen sozialen Nahraum, mit dem sich die Bewohner identifizieren – ein Dorf, ein Orts- oder Stadtteil. Alternsgerechte Quartiere sind so gestaltet, dass ältere Menschen mit und ohne Unterstützungsbedarf in ihrem vertrauten Wohnumfeld verbleiben können und dort Anregungen und geeignete Infrastruktur für Teilhabe und eine gesundheitsförderliche, möglichem Pflegebedarf vorbeugende Lebensweise vorfinden. Dabei spielen gemeinwesenorientierte Gestaltungsansätze zur Vermeidung von sozialer Isolation und Verbesserung der allgemeinen Lebensqualität eine bedeutsame Rolle.

Der Handlungsdruck in der Pflege ist in Brandenburg besonders groß. Durch die zunehmende ältere Bevölkerung – die Zahl der über 80 Jährigen steigt zwischen 2012 und 2030 von etwa 120.000 auf fast 250.000 – wird es mehr Pflegebedürftige geben. Bis zum Jahr 2030 ist mit einer Zunahme um 70 Prozent auf etwa 162.000 Pflegebedürftige – davon 87.000 Demenzerkrankte – zu rechnen.

Die rot-rote Landesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag als Ziel vereinbart, mit einer Pflegeoffensive die Pflegeversorgung in Brandenburg zu sichern. Dabei sollen unter anderem Anlauf- und Beratungsstellen in den Kommunen weiter unterstützt werden, um so eine „Pflege im Quartier“ zu ermöglichen. Am 17. Dezember 2014 hat der Landtag Brandenburg auf Antrag der rot-roten Regierungsfraktionen den Beschluss „Pflegeoffensive für eine verantwortungsvolle pflegerische Versorgung im Land Brandenburg auch in Zukunft“ gefasst. Damit wird die Landesregierung u.a. aufgefordert, sich der Pflegepolitik im Land als gesamtgesellschaftliche, ressortübergreifende, prioritäre Aufgabe zu widmen, die Politik des aktiven und gesunden Alterns fortzusetzen sowie eine Pflegeoffensive in Form eines pflegepolitischen Aktionsprogramms mit zielgerichteten nachhaltigen Maßnahmen zu entwickeln.

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