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Lesben, Schwule, Homo-Ehe - Informationen für Heterosexuelle


Was ist Homosexualität?

Hinter dieser Frage verbergen sich vielleicht die meisten Missverständnisse. Viele beziehen das Wort ausschließlich auf das körperliche Sexualverhalten. Doch schon der Fremdwörter-Duden ist genauer. Er definiert Homosexualität nicht nur als "Geschlechtsempfinden", sondern auch als "Liebe". Liebe aber "funktioniert" nur ganzheitlich, das heisst bei weitgehender körperlicher, seelischer und geistiger Übereinstimmung der Partnerinnen oder Partner. Dies gilt für die hetero- wie für die homosexuelle Liebe gleichermaßen. Beide besitzen die Fähigkeit zu erfüllenden Partnerschaften, beide sind genauso viel wert und ebenso so vielfältig. Beide streben eine dauerhafte Beziehung an, in der sie Wärme und Geborgenheit, Verständnis und Anerkennung finden.

Wie viel homosexuelle Menschen gibt es überhaupt?

Mehr als die meisten annehmen. Da es dazu keine Befragungen gibt, ist man auf Schätzungen angewiesen. Experten gehen davon aus, dass 5 bis 10 Prozent der Bevölkerung homosexuell veranlagt sind; in Deutschland also mindestens 4 Millionen, im Land Brandenburg mehr als 100.000 Menschen.

Wie entsteht Homosexualität?

Dazu gibt es viele Thesen, aber noch keine gültige Antwort. Die Entwicklung von Hirnstrukturen, sexuellem Verhalten und ihr Zusammenhang mit äußeren Einflüssen ist ein komplizierter Forschungsgegenstand. Doch egal, ob genetisch bedingt oder nicht, soviel steht bereits fest: Sie ist kein biologischer Defekt, keine Krankheit und keine Sache des Willens. Eltern haben keinen Fehler gemacht! Sie entsteht ebenso wenig widernatürlich wie die Heterosexualität. Wenn Männer oder Frauen ihr Gefühl zum gleichen Geschlecht erst entdecken, wenn sie erwachsen sind, ist das ganz normal. Die wirkliche Identität und den eigenen Weg zu finden, ist oft schwierig. Vielen Menschen gelingt es nie.

Wie ging man in den alten Kulturen mit Homosexualität um?

Sie war nicht nur erlaubt, sondern genoss sogar hohes Ansehen. Im alten Ägypten, Mesopotamien und Syrien wurde jegliche Sexualität als etwas Göttliches angesehen. Sie besaß deshalb zum Teil kultischen Charakter. Auch im alten Persien und Griechenland war Homosexualität verbreitet und gesellschaftlich akzeptiert. Unter dem römischen Kaiser Julius Cäsar wurde sie geduldet, vor allem als Beziehung zwischen Herren und Sklaven.

Als die Ideologen des frühen Christentums damit begannen, gleichgeschlechtliche Beziehungen mangels Fortpflanzungsfähigkeit zu verdammen und den Zorn Gottes gegen Sodom bemühten, wurde die Veranlagung Homosexueller lebensgefährlich. Als "Werk des Teufels" wurde Gleichgeschlechtlichkeit verfolgt und mit dem Tod bestraft.

Wie leben Frauen mit Frauen und Männer mit Männern?

Ganz normal, nur eben etwas anders als es sich die meisten vorstellen. Mehr als die Hälfte der Homosexuellen leben in festen Beziehungen. Es ist ein zählebiges Klischee, dass in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung eine(r) den Mann, die (der) andere die Frau spielen würde. In Wirklichkeit kommt eine Aufgabenverteilung entlang der traditionellen Geschlechterrolle kaum vor, weder im Beruf, noch im Haushalt oder im Bett. Genau deshalb sind Soziologen der Meinung, dass wir von homosexuellen Partnerschaften lernen können. Sie sind ein wichtiger Mosaikstein im sich verändernden Familienbild unserer Gesellschaft. Homosexuelle verteilen Macht und Kompetenz in der Partnerschaft anders als heterosexuelle Paare. Untersuchungen haben ergeben, dass es in homosexuellen Beziehungen seltener zu Gewalttaten kommt als in heterosexuellen Ehen.

Lesben hassen Männer?

Auch dieses Klischee, meist von "Kennern der Szene" in die Welt gesetzt, lässt sich leicht durch Gegenbeispiele widerlegen. Wenn Lesben Männer nicht mögen, dann meist deshalb, weil lesbische Frauen – ähnlich wie andere Frauen auch - schlechte Erfahrungen mit der "Krone der Schöpfung" gemacht haben. Primitive Anmache, üble Belästigungen oder Bedrohungen von Machos gehören zu den gängigen Erfahrungen. Wer meint, Lesben hätten bloß keinen "richtigen Mann" abgekriegt, ist auf dem falschen Dampfer. Lesben wollen mit Frauen leben! Viele hatten vor dem Coming-Out Beziehungen mit Männern und sind Mütter. Sie haben also Vergleichsmöglichkeiten.

Ist ein Coming Out wirklich so schwierig?

Es ist leichter geworden für Homo-, Bi- oder Transsexuelle in den letzten Jahrzehnten, aber für die meisten ist ein Coming Out immer noch eine hohe Hürde. Am schwersten ist es für ältere lesbische Frauen und schwule Männer. Aus Angst vor Ausgrenzung geben sie sich selten zu erkennen. Eine Studie aus dem Jahr 2002 gibt Auskunft, dass allein in Berlin etwa 40.000 homosexuelle Frauen und Männer leben, die älter als 65 Jahre sind, und dass über deren Lebenssituation kaum etwas bekannt ist. Allerdings weiss man, dass sie häufig ein soziales Doppelleben führen, in Einsamkeit leben und wenig familiäre Bindungen besitzen.

Wird die Diskriminierung gegenüber Lesben und Schwulen nicht hochgespielt?

Ende der 90er Jahre belegte eine Studie der Universität Kiel, dass 80 Prozent der Lesben und Schwulen ihre Lebenssituation als zufriedenstellend bezeichnen und gleichzeitig Diskriminierungserfahrungen schildern. Im Klartext: Diskriminierungen sind mittlerweile so alltäglich geworden, dass sie von den Betroffenen nicht mehr als so schwerwiegend erlebt und schon beinahe als "normal" empfunden werden. Lesben und Schwule konstatieren ein "allgemeines Unsicherheitsgefühl". Es lässt sich allerdings nur schwer messen. Doch wer will, kann sich leicht in ihre Situation hineinversetzen. Wie würden Sie es als heterosexuelle Frau finden, wenn sie aufdringlich beobachtet oder sogar beschimpft werden, nur weil sie ihren Freund auf der Straße küssen ( - oder Sie als Mann ihre Freundin)? Die Reihe der Beispiele ließe sich mühelos fortsetzen.

Dieselbe Studie besagt, dass zwischen 10 und 20 Prozent der Befragten wegen ihrer Homosexualität schon einmal gemobbt wurden und die Arbeitsstelle wechseln mussten.

Ein Forschungsbericht der Universität Bamberg aus dem Jahr 2003 stellte fest, dass Schwule und Heterosexuelle ebenso häufig "subjektive Einsamkeit" empfinden, dass Schwule aber höheren emotionalen Belastungen ausgesetzt sind. Die Folgen: Depressive Syndrome, Selbstverachtung, Misstrauen und eine erhöhte Selbstmordrate. Die 1999 herausgegebene Berliner Studie "Sie liebt sie. Er liebt ihn." verweist auf die Grenzen der bisher von Medizin und Tiefenpsychologie geprägten Suizidalforschung und darauf, dass es im deutschsprachigem Raum bisher keine speziellen Studien über den Zusammenhang von Gleichgeschlechtlichkeit und Suiziden gibt. Doch das Befragungsergebnis dieser Studie ist ein ernstes Signal: 18 Prozent junger Lesben und Schwulen gaben an, mindestens einmal versucht zu haben, sich das Leben zu nehmen. Bei heterosexuellen Jugendlichen gelten 4 Prozent als suizidgefährdet.
Welche extremen Formen die Diskriminierung annehmen kann, zeigen die scharfen Auseinandersetzungen um Homosexualität und Berufsverbote gegen Würdenträger innerhalb der katholischen Kirche.

Lesben und Schwule als Väter und Mütter?

Wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, was Kinder lesbischer Mütter und schwuler Väter von anderen Gleichaltrigen unterscheidet, gibt es in Deutschland kaum. Die Resultate US-amerikanischer Forschung jedoch sind eindeutig: Kinder, die bei homosexuellen Vätern und Müttern aufwuchsen, weisen keinerlei spezifische Defizite auf - weder in Bezug auf die geschlechtliche Identität noch auf ihre psychosoziale Entwicklung im Allgemeinen. Anders gesagt: Diese Eltern haben genauso oft oder selten einen homosexuellen Sohn oder eine lesbische Tochter wie der Rest der Bevölkerung. Widerlegt ist auch, dass diese Kinder als Erwachsene homosexuell werden. Dafür fanden Wissenschaftlerinnen heraus, dass lesbische Frauen stärker als allein erziehende heterosexuelle Frauen Kontakte ihrer Kinder zum leiblichen Vater oder andere männliche Bezugspersonen fördern. Auf Grund der frühen Auseinandersetzung mit der Situation des Anderseins sind Kinder aus homosexuellen Partnerschaften problembewusster und toleranter als Gleichaltrige aus heterosexuellen Partnerschaften oder Ehen.
Schätzungen zufolge sind von den zwei Millionen in der Bundesrepublik lesbisch lebenden Frauen 650.000 Mütter. Nach neuesten Erkenntnissen besteht kein Grund, ihrer Fürsorge oder Ausstrahlung in irgendeiner Hinsicht zu misstrauen. Untersuchungen zufolge sind Kinder von Lesben emotional besonders stabil.

Was macht das Lebenspartnerschaftsgesetz so wichtig?

Das Gesetz brachte die längst fällige gesellschaftliche Anerkennung der homosexuellen Partnerschaften. Es hat weitreichende rechtliche Folgen. Sie beziehen sich z.B. auf das Umgangsrecht mit Kindern, Erziehungsgeld, Erbrecht, Mietrecht, Unterhaltspflicht oder Kranken- und Pflegeversicherung. Einige nachfolgende Regelungen brachten weitere Verbesserungen, zum Beispiel in der Hinterbliebenenversorgung, durch die Möglichkeit der Adoption von leiblichen Kindern und durch eine neue gesetzliche Güterstandsregelung.

Mit der Zulassung der "Homo-Ehe" endete ein über hundertjähriger Kampf der homosexuellen Bürgerinnen und Bürger. Sie galt als das Hauptsymbol schwul-lesbischer Bürgerrechte. Schon 1865 wurde in Deutschland die Forderung erhoben, heiraten zu dürfen. Die Forderung traf auf erbitterte Gegner. Am brutalsten war die Antwort der Nazis, die nach 1933 in den Schwulen eine "bevölkerungspolitische Gefahr" erkannten und "abartige Männer" in Konzentrationslagern vernichten ließen.

Die Verfolgung nach dem berüchtigten Strafgesetzbuch-Paragrafen 175 hielt sich noch in der Adenauer-Ära. In der DDR gemildert und modifiziert galt er ab 1968 auch für Lesben, die BRD zog ein Jahr später nach, ließ ihn aber wiederum nur für Schwule gelten. Erst 1994, im wieder vereinigten Deutschland, wurden die Reste des Paragrafen endgültig abgeschafft.

Widerstand gab es auch gegen das Lebenspartnerschaftsgesetz. Es wurde vor allem als Anschlag auf die Familie gesehen. Als das Gesetz - von Protesten und Jubel begleitet - in Kraft trat, war ein großer Schritt getan: von der bloßen Duldung gleichgeschlechtlicher Beziehungen zu deren wirksamer Akzeptanz. Manche nannten es eine "kleine Kulturrevolution".

Wo finde ich Ansprechpartner in Brandenburg?

Zum Beispiel in der Landeskoordinierungsstelle für LesBiSchwule Belange in Potsdam Seit 1994 steht sie Betroffenen mit Rat und Hilfe zu Seite. Darüber hinaus sorgt sie für Aufklärung unter Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern, im Bereich der Sozialarbeit und in den Reihen der Polizei.

Landeskoordinierungsstelle für LesBiSchwule Belange - Land Brandenburg
Kleine Gasse 2
14467 Potsdam
Tel.: 0331 2019-888
Fax: 0331 2019-797
E-Mail: info@lks-brandenburg.de
Internet: www.lks-brandenburg.de

Viele Informationen finden Sie u.a. beim Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD), oder unter den Hinweisen zur Eingetragenen Lebenspartnerschaft auf den Seiten des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie (MASGF).
Sie können sich natürlich auch an das Fachreferat im MASGF wenden. Die Adresse lautet:

Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie
des Landes Brandenburg
Referat 22
Norman Asmus
Henning-von-Tresckow-Straße 2-13, Haus S
14467 Potsdam
Tel.: 0331 866-5222
Fax: 0331 866-5209
E-Mail: norman.asmus@masgf.brandenburg.de
Internet: www.masgf.brandenburg.de

Stand: November 2008

Letzte Aktualisierung: 12.10.2016